Erwerb interkultureller Kompetenzen – für Mitarbeiter/innen der öffentlichen Verwaltung

Übersicht

Thema

Der Umgang mit Menschen aus anderen Herkunftsländern gehört heute in vielen Berufsgruppen zum Alltag. Interkulturelle Kompetenz wird daher in einem multikulturellen Europa zur zentralen Sozialkompetenz.

Führungskräfte und Mitarbeiter/innen bei Behörden, Ämtern, Wohlfahrtsverbänden, bei Justiz und Polizei sind in zunehmendem Maße mit dem Thema Migration und Angehörigen fremder Kulturkreise konfrontiert. Irritationen und Konflikte entstehen in der Verwaltung besonders in Bereichen mit Publikumsverkehr.

Für Migranten ist das Aufsuchen der Verwaltung und die daraus entstehende Interaktion zumeist keine freiwillige Entscheidung. Sie fühlen sich oft und schnell missverstanden und als „Bürger zweiter Klasse“ behandelt. Mitarbeiter/innen in Verwaltung und öffentlichem Dienst haben wiederum häufig das Gefühl, als „Sündenbock“ für vorgegebene Verwaltungsanweisungen und unrealistische Erwartungen der „Kunden“ herhalten zu müssen. Wiederkehrende problematische Kontaktsituationen belasten beide Seiten. Sie können dazu führen, dass Migranten sich diskriminiert fühlen und seitens der Verwaltungsangestellten oder Polizei über „schwierige Klientel“ geklagt wird.

Das von uns konzipierte, evaluierte und im folgenden dargestellte Lern-Arrangement zur Weiterbildung der Mitarbeiter/innen und Angestellten von Behörden, Polizei und Justiz zielt auf die Stärkung und Vermittlung interkultureller Kompetenzen, die zur Bewältigung entsprechender Situationen notwendig sind.

Unter interkultureller Kompetenz verstehen wir vor allem die Fähigkeit, mit Personen aus anderen Kulturen akzeptierend und wertschätzend zu kommunizieren, zu kooperieren und zusammenzuleben.

Interkulturelle Kompetenz von Mitarbeitenden der Verwaltung ermöglicht einen bürgernahen Service, verringert Konflikte zwischen Dienstleistern und Kunden, verbessert die Arbeitszufriedenheit der Angestellten bzw. Beamten, sichert die Qualität der Dienstleistungskultur und erhöht die öffentliche Anerkennung der Institutionen.

Methodisch kommt die hier skizzierte Fortbildungsmaßnahme den finanziellen und vor allem zeitlichen Erfordernissen in Verwaltungsabläufen, die ein hohes Maß an Flexibilität erfordern in besonderer Weise entgegen, indem Präsenzseminare mit Online-Lerneinheiten verbunden und zu einem nachhaltigen Methodenmix verknüpft werden.
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Unser Lernarrangement

Das von Forschern/Forscherinnen, Trainern/Trainerinnen und Praktikern entwickelte Schulungskonzept im Blended-Learning-Ansatz bedient sich einer Mischung von Internet-Modulen (Web-Based-Training) und Präsenzseminaren. Flankierend findet auch ein Austausch im virtuellen Klassenraum satt.

Die Schulungen werden begleitet von Trainer/innen und Teletutoren/innen, damit ein besserer Lernerfolg erzielt werden kann als dies bei reinen Internet-Angeboten der Fall wäre.

Ein besonderes Augenmerk wird auf den Transfer zwischen den computergestützten Lernprogrammen, den Präsenztagen und den arbeitsplatznahen Situationen gelegt.

Grafik: Seminarablauf (Methoden, Termine)
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Informationsveranstaltung

Die Informationsveranstaltung dient zum einen der Sensibilisierung für dieses Thema, zum anderen wird die Konzeption und die didaktisch sinnvolle Nutzung der computergestützten Lernprogramme sowie die technischen Voraussetzungen erläutert.
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Präsenztage

Die Präsenztage sind thematisch und didaktisch in drei Bereiche aufgeteilt. Der erste Präsenztag wird als Workshop durchgeführt. Jede(r) Teilnehmer/in berichtet über Erfahrungen (positiv/negativ) aus dem Berufsalltag. Reflektiert wird dieser Tag am dritten Präsenztag indem der Trainer/die Trainerin auf die Inhalte des ersten Tages nochmals eingeht und einen Transfer zu den Lernprogrammen und dem zweiten theoretischen Präsenztag herstellt.

Folgende Inhalte sind für die Präsenztage vorgesehen, wobei die Thematik nicht länder- oder kulturspezifisch (ein Land, eine Region) ausgerichtet ist – es werden jedoch selbstverständlich länderspezifische und regionale Beispiele aufgezeigt.

Computergestützte Lernprogramme (Web-Based-Training)

Trainer/innen, Praktiker, Migranten und Migrantinnen, Führungskräfte von Weiterbildungseinrichtungen, Universitäten und Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen arbeiteten eng zusammen, um „best practice“ für ein Training zu definieren, das an den Belangen von Verwaltungspersonal von der Führungskraft bis zum Sachbearbeiter / zur Sachbearbeiterin ausgerichtet ist. Aus dieser Kooperation ist ein Set von insgesamt 14 Modulen entstanden. Ein Teil der Module liegt auch in englischer (9) und italienischer (7) Sprache vor und kann über unsere internationale Lernplattform „CORNELIA“ aufgerufen werden.

Grundlagen-Module

Die Einführungsmodule behandeln die Grundlagen interkultureller Kompetenz.

Länderspezifische Module

Nach den Einführungsmodulen folgen Module zu derzeit vier Herkunftsregionen. Jede Herkunftsregion wird in drei Modulen behandelt. Das erste Modul bietet landeskundliches Wissen über das Herkunftsland. Im zweiten Modul wird die Situation der Menschen hier in Deutschland beleuchtet, es bietet Zahlen und Fakten zu sozialdemographischen Merkmalen und Hintergrundwissen über ihre ökonomische, psychische und soziale Situation. Das dritte Modul zu jeder Herkunftsregion vermittelt interkulturelle Handlungskompetenz, um das Verstehen und die Verständigung zu erleichtern.

Irak

Türkei

Russland

Ex-Jugoslawien

Mit diesen 14 Modulen können Verwaltungsmitarbeitende in etwa 30 Lernstunden systematisch ihre Kenntnisse über die Menschen nichtdeutscher Herkunft erweitern und Handlungskompetenz im behördlichen Alltag erwerben. Die Kurse werden stets teletutoriell betreut.
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Seminarumfang

15 UE Präsenzseminar zzgl. Informationsveranstaltung
35 UE Selbststudium mit Lernprogrammen (teletutoriell begleitet), virtuelles Klassenzimmer
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